2013-04-16 08:00

Ambulantes Netzwerk für psychisch Erkrankte in Duisburg vermeidet Klinikaufenthalte

Jeder fünfte Arbeitsunfähigkeitstag ist durch psychische Erkrankung begründet. Bisher werden viele dieser Patienten im Krankenhaus behandelt. Doch nach ihrer Entlassung fehlt es häufig an konkreter Unterstützung, so dass sie bei der nächsten Krise wieder Hilfe in der Klinik suchen. Um diesen "Drehtüreffekt" zu verhindern und die ambulante Versorgung psychisch Erkrankter zu verbessern, hat die TK das "NetzWerk psychische Gesundheit" (NWpG) ins Leben gerufen. In Duisburg nehmen bereits 78 Patienten an dem Programm teil.

v.l.: Ulrich Adler (TK), Miriam Reimann (PHG), Nils Greve (GpG NRW), Birgit Richterich (PHG), Norbert Müller (AOK)
v.l.: Ulrich Adler - TK, Miriam Reimann - PHG, Nils Greve - GpG NRW, Birgit Richterich - PHG, Norbert Müller - AOK

Gemeinsam mit dem Hauptpartner der Gesellschaft für psychische Gesundheit in Nordrhein-Westfalen (GpG NRW), hat die TK mit der Psychiatrischen Hilfsgemeinschaft (PHG) Duisburg einen kompetenten Kooperationspartner vor Ort gefunden.

Bei diesem ambulanten Angebot arbeiten erfahrene Fachärzte, Sozialarbeiter, Fachpfleger und Therapeuten mit dem behandelnden Arzt Hand in Hand - wenn nötig rund um die Uhr. "Sie unterstützen die Patienten möglichst so, dass diese trotz ihrer psychischen Erkrankung im gewohnten familiären, beruflichen und sozialen Umfeld bleiben können. Bei Bedarf erhalten auch Angehörige Hilfe", beschreibt Ulrich Adler, Leiter regionales Vertragswesen der TK in NRW, den zentralen Ansatzpunkt des Netzes. "In Notfällen ist es möglich, den Patient auf Wunsch auch in seinen eigenen vier Wänden zu betreuen." Darüber hinaus gibt es als Alternative zu einer stationären Aufnahme Rückzugräume beim sozialen Träger vor Ort, die in einer Krise als geschützte Umgebung genutzt werden können. Ziel der ambulanten Behandlung sei es Klinikaufenthalte zu vermeiden, das Risiko einer erneuten psychischen Krise herabzusetzen oder die Gefahr einer Chronifizierung zu vermindern.

Auch die KKH und die AOK Rheinland/Hamburg möchten ihren Versicherten eine gute ambulante Betreuung ermöglichen und sind dem Netz beigetreten. „Wer feststellt, dass seine Seele aus dem Gleichgewicht geraten ist, tut sich meist schwer damit, sich ein psychisches Leiden einzugestehen“, weiß Dr. Elisabeth Siegmund-Schultze, Abteilungsleiterin Versorgungsmanagement bei der KKH. „Dabei ist ein offener Umgang damit der erste entscheidende Schritt in die richtige Richtung, denn Freunden oder Angehörigen fallen diese Veränderungen oder Belastungen nicht immer auf.“ Norbert Müller Experte der AOK Rheinland/Hamburg in Duisburg, betonte: „Die psychiatrische Versorgung in Deutschland ist vom stationären Sektor dominiert – ganz anders als beispielsweise in den skandinavischen Ländern oder den Niederlanden. Wir wollen nicht zuletzt der Hospitalisierung entgegenwirken.“

Von Beginn an hat die PHG das Netzwerk mit extra dafür geschulten Fachkräften aufgebaut und so zu einer gelungenen Umsetzung beigetragen. „Erste Rückmeldungen von Teilnehmenden zeigen eine hohe Zufriedenheit mit dem neuen Behandlungskonzept. Besonders die Möglichkeit in einer akuten psychischen Krise 24 Stunden täglich Fachpersonal zu erreichen oder den Rückzugraum aufsuchen zu können, bietet den Patienten hohe Sicherheit", berichtet Birgit Richterich, stellvertretende Geschäftsführerin der PHG.

Nils Greve, Geschäftsführer der GpG NRW ist Mitinitiator des "NetzWerk psychische Gesundheit" und sieht darin  einige große Chancen zur Verbesserung der Behandlungssituation sowie für generelle Strukturänderungen in der Versorgungslandschaft für psychisch kranke Menschen: „Aus unseren Erfahrungen sind die weiteren Schritte klar ersichtlich. Um die starren Sektoren ambulanter und stationärer Behandlung aufzulösen, müssen alle Beteiligten aufeinander zugehen, Vertrauen aufbauen und ihre Angebote miteinander vernetzen.“

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